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Kooperation in den Regionen verstärken

Um Pfarrstellenbemessung und die Ausweitung des Gemeindepädagogischen Dienstes ging es bei der dritten gemeinsamen Synode der Evangelischen Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt in Kranichstein.

Rund 100 Synodalinnen und Synodale sind zur dritten gemeinsamen Synode der Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt zusammen gekommen. In der Philippuskirchengemeinde im Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ) Kranichstein hörten sie zunächst gemeinsam die Andacht des katholischen Pfarrers Johannes Zepezauer zum Thema „Leben teilen“, in der der Pfarrer von St. Jakobus, der katholischen Gemeinde unter dem Dach des ÖGZ, aus dem Hirtenbrief von Bischof Peter Kohlgraf zitierte. Nach der Begrüßung durch die beiden Vorsitzenden der Dekanatssynoden, Carin Strobel (Stadt) und Ulrike Hoppe (Land), führten die Dekanin des Dekanats Darmstadt-Stadt, Ulrike Schmidt-Hesse, und der Dekan des Dekanats Darmstadt-Land, Arno Allmann, zunächst in das Thema Pfarrstellenbemessung ein.

Weil die Mitgliederzahl der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zurückgeht - im Schnitt sind dies 1,4 Prozent pro Jahr -, müssen die Pfarrstellen angepasst werden. Die Dekanate Darmstadt-Stadt und Darmstadt-Land, die 2022 fusionieren, erhalten eine gemeinsame Stellenzuweisung. Sie müssen von 2020 bis 2024 zusammen drei von insgesamt 58,5 Pfarrstellen kürzen, darunter eine halbe regionale und 2,5 Gemeindepfarrstellen. Für das Dekanat Darmstadt-Land bedeutet dies den Verlust von einer gemeindlichen Pfarrstelle bis 2024, für das Dekanat Darmstadt-Stadt von 1,5 Gemeindepfarrstellen. Welche regionale Stelle sie kürzen, haben die beiden Synoden jetzt gemeinsam beschlossen: Bei der 1,0 Fachstelle Bildung fällt im Dekanat Darmstadt-Land eine halbe Stelle weg, im Dekanat Darmstadt-Stadt gibt es hier bereits ebenfalls eine halbe Stelle.

Für die Gemeindepfarrstellen hatten die beiden Dekanate im August 2018 gemeinsam beschlossen, getrennt über die Verfahren zu beraten. Es wurden dann unterschiedliche Kriterien für die Verteilung der Stellen beschlossen. Ergebnis der gemeinsamen Synode in Kranichstein war, dass das Evangelische Dekanat Darmstadt-Stadt die Verteilung ausschließlich im Verhältnis zu den Mitgliederzahlen der Gemeinden vornimmt. Das Dekanat Darmstadt-Land entschied sich für ein Verfahren, das zu 70 Prozent Mitgliederzahl zugrunde legt und jeweils zu zehn Prozent die Kriterien Fläche, Kindertagesstätte und Gottesdienstorte. „Eine minimale Änderung bei der Gewichtung der Kriterien führt zu anderen Ergebnissen, je nachdem an welcher Schraube man dreht“, sagte Arno Allmann, Dekan von Darmstadt-Land.

Dabei wurden jeweils Nachbarschaftsbereiche und Regionen berücksichtigt. In Darmstadt-Land sind von der Kürzung die Kirchengemeinde Eschollbrücken im Nachbarschaftsbereich Pfungstadt sowie der Bezirk III der Kirchengemeinde Weiterstadt im Nachbarschaftsbereich Weiterstadt/Erzhausen mit jeweils einer halben Stelle betroffen. Im Dekanat Darmstadt-Stadt sollen jeweils halbe Stellen in der Auferstehungsgemeinde Arheilgen, der Matthäusgemeinde und der Kirchengemeinde Darmstadt-Eberstadt-Süd bis 2022 bzw. 2024 wegfallen. Bei beiden Dekanaten sollen gleichzeitig auf einer „zweiten Ebene“, d.h. in den Regionen, Ressourcen geteilt werden. Dies regelt etwa eine gemeinsame Pfarrdienstordnung. Für eine weitere Stärkung der Regionen und Nachbarschaftsbereiche hatten sich die Synoden schon früher ausgesprochen. Die notwendigen Kürzungen wurden im Vorfeld kontrovers diskutiert. Es hatte jeweils Verteilungsmodelle mit unterschiedlichen Kriterien gegeben.

„Ziel der Verteilung der Stellen soll eine angemessene Versorgung sowie die Weiterentwicklung bestehender und die Förderung neuer Kooperationen sein“, sagte Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse, „auch im Hinblick auf die nächste Pfarrstellenbemessung für die Zeit ab 2025.“ Bei den Zeitpunkten der Kürzungen würden auch Ruhestandsversetzungen berücksichtigt. „Wir wollen so gut wie möglich jedem gerecht werden“, sagte Präses Carin Strobel, „und haben unsere Fürsorgepflicht walten lassen.“ Ulrike Hoppe ergänzte für Darmstadt-Land: „Wir haben die vielfältigen Argumente der Synodalen aus der Herbsttagung aufgenommen, im DSV intensiv und auch kontrovers beraten.“

Einem von der Evangelischen Jugendvertretung und dem Dekanatssynodalvorstand Darmstadt-Stadt eingebrachten Antrag, bei der Kirchensynode der EKHN eine Erweiterung des Gemeindepädagogischen Dienstes zu beantragen, stimmten beide Synoden zu. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse betonte die Bedeutung der Gemeindepädagog*innen für verschiedene kirchliche Arbeitsbereiche. Mit diesem Antrag solle speziell die Arbeit von, mit und für Kinder und Jugendliche gestärkt werden. Wie Philipp Wagner, der Vorsitzende der Evangelischen Jugendvertretung Darmstadt-Stadt, erklärte, seien alle Jugendvertretungen in der EKHN informiert worden, damit auch in anderen Dekanaten entsprechende Anträge eingebracht werden könnten. Anfang April wolle er noch einmal bei der Vollversammlung der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau werben und weitere Gespräche mit Kirchensynodalen führen, damit im Mai der Antrag auf der Kirchensynode „nicht vom Himmel fällt“, wie Philipp Wagner sagte. Die Darmstädter Synodale Ingrid Schmidt-Viertel ergänzte den Antrag mit einem Finanzierungsvorschlag, so dass in jedem Dekanat eine weitere Stelle im Gemeindepädagogischen Dienst eingerichtet werden könnte.

Die beiden Synoden haben außerdem jeweils ihre Haushalte einstimmig beschlossen. In Darmstadt-Stadt umfasst das Haushaltsvolumen rund 15 Millionen Euro, wovon die Dekanatsträgerschaft Kindertagesstätten etwa zwei Drittel ausmacht. In Darmstadt-Land beträgt das Haushaltsvolumen rund 1,79 Millionen Euro.

Reiner Roth, stellvertretender Leiter der Regionalverwaltung Starkenburg-Ost, die für beide Dekanate zuständig ist, erläuterte vor den Synoden die Umstellung auf die Doppik, die 2020 eingeführt wird. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse informierte darüber, dass die Gemeindepädagogischen Ausschüsse beider Dekanate bereits mit der Vorbereitung für eine gemeinsame Konzeption, die für das fusionierte Großdekanat ab 2022 gelten soll, begonnen hätten. Die beiden Öffentlichkeitsreferentinnen Rebecca Keller und Maline Thierolf-Jöckel berichteten, dass die Dekanatswebsites jetzt auf das EKHN-eigene System „FacettNet“ umgestiegen und am Tag der Synode in neuem Erscheinungsbild online gegangen sind. Die nächste gemeinsame Synode wird am 30. August stattfinden.

 

Hintergrund

Die Dekanatssynode ist das regionale Kirchenparlament des Dekanats. Die Mitglieder sind für eine Periode von sechs Jahren gewählt. Sie bestimmen die inhaltlichen Schwerpunkte und wichtigen Ziele, verabschieden den Haushalt und wählen den Dekan bzw. die Dekanin. Der Vorstand jeder Kirchengemeinde entsendet Delegierte in dieses Gremium, dem sowohl Pfarrerinnen und Pfarrer (ein Drittel), als auch theologische Laien (zwei Drittel) sowie Jugenddelegierte angehören. Die Synode tagt dreimal pro Jahr und ist das „politische“ Entscheidungsgremium des Dekanats. So können die Mitglieder auch Anträge beschließen, die sie in die Synode der Gesamtkirche einbringen.


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